Dämpfung

kollision 

DER BEGRIFF DÄMPFUNG SOLLTE JEDEM SPORTLER BEKANNT SEIN. ER BESCHREIBT DIE REDUZIERUNG DES AUFPRALLKRAFTMAXIMUMS, WENN DER FUSS DEN BODEN BERÜHRT. BEI JEDEM LAUFSCHRITT TREFFEN ZWEI SYSTEME AUFEINANDER - DER MENSCHLICHE KÖRPER UND DER BODEN BEI DIESER KOLLISION ENTSTEHEN EXTERNE KRÄFTE, DIE IN VERTIKALER RICHTUNG DAS ZWEI - BIS VIERFACHE DES KÖRPERGEWICHTES AUSMACHEN KÖNNEN UND INTERNE BEANSPRUCHUNG FÜR DEN BEWEGUNGSAPPARAT DARSTELLEN.

 

Die auftretenden Stoßkräfte werden mit Verletzungen des Fußes, der Achillessehne, des Knies, der Hüfte und des Rückens in Verbindung gebracht und erklären u.a. die hohe Verletzungshäufigkeit von Läufern. Die Höhe der entstehenden Kräfte wird vor allem durch den Untergrund und die Laufgeschwindigkeit festgelegt. Die Stoßkräfte sind bei schnellem Laufen auf hartem Untergrund, wie z.B. Asphalt, höher als bei langsamerem Laufen auf z.B. Rasen. Gerade in der heutigen Zeit, in der unsere Umwelt kontinuierlich zubetoniert wird und natürlicher Untergrund, wie Rasen oder Waldboden, vor allem in städtischen Gebieten kaum noch aufzufinden ist, wird die Bedeutung des Laufschuhs - quasi als natürlicher Untergrundersatz - immer wichtiger.

Ein noch entscheidenderer Faktor ist die Tatsache, daß sich im Laufe der Evolution unsere Füße verändert haben. Bewegungsarmut, sitzende Tätigkeiten im Beruf - einengende Schuhmoden und Zerstörung des natürlichen Untergrunds erklären die hohe Zahl der Fußprobleme wie Knick-, Senk-, Spreiz- und Hohlfüße, die wiederum die Ursache vieler anderer Beschwerden entlang des Stützapparates darstellen. Der Laufschuh bietet hier einen Weg aus der Misere, er kann die Stoßkräfte minimieren.

 

Aufprallkräfte mit dem Boden sind deshalb als problematisch anzusehen, da sie schneller auf den Körper treffen als sich Muskulatur aktivieren kann, um die Kräfte abzuschwächen.

 

10 bis 30 Millisekunden nach Bodenkontakt wird das maximale Ausmaß der Erschütterung erreicht, das als Kraftspitze bezeichnet wird. Diese Kraftspitze wird passive Kraftspitze genannt, da sie, wie erwähnt, nicht muskulär kontrolliert werden kann, weil die Refraktärzeit der Muskulatur (die Zeit, die vergeht, bis neuronale Impulse zu einer Kontraktion der Muskulatur führen) mindestens 40 Millisekunden beträgt. Muskeln reagieren demzufolge erst, nachdem die Kraftspitze aufgetreten ist und sind somit nicht in der Lage, die auftretenden Kräfte aktiv zu dämpfen. Letztendlich kann nur ein guter Laufschuh als Mittler an der Nahtstelle Körper - Boden Einfluß auf die Höhe der passiven Kraftspitze nehmen.

 

An dieser Stelle muß gesagt werden, daß es nicht richtig ist, zu fordern, daß ein Laufschuh diese Kraftspitze so weit wie möglich abdämpfen und entstehende Energien möglichst vollständig vernichten sollte. Neueste Erkenntnisse der biomechanischen Forschung sprechen dafür, daß ein gesundes Maß an äußeren Reizen sehr förderlich für die Gesundheit und den Bewegungsapparat ist. Dies erscheint auch einsichtig, wenn man z.B. an die Verkümmerung der Muskulatur aufgrund eines Gipsverbands nach einem Unfall denkt. Das Ausbleiben von äußeren Reizen und Belastungen führt zu einer Verkümmerung der Muskulatur.

Durch Belastungen und Training kann zwar manchmal ein Muskelkater entstehen - dies ist ein Hinweis dafür, daß wir unseren Körper zeitweise überlastet haben und Mikroläsionen von Gewebe die Folge sind - aber nach einer entsprechenden Pause hat sich unser Körper an die neuen Reize und Anforderungen angepaßt, die Muskulatur verbessert und hält nun der gleichen Belastung, die vorher zu groß war, ohne Muskelkater stand. Ein sehr leistungsförderndes Prinzip, auf dem unser gesamtes Training im Grunde aufbaut.

 

Ähnlich verhält es sich mit unseren Knochen. Ein Neugeborenes Baby besitzt z.B. noch keinen echten Oberschenkelknochen, sondern Knorpelgewebe, das sich nach und nach an den Epiphysenfugen, aufgrund äußerer Belastung, funktionell anpaßt und zu Knochengewebe umformt. Äußere Reize sind demnach nicht ausschließlich als negativ zu betrachten, sondern sie sorgen dafür, daß sich unser Körper umstrukturiert, entwickelt und somit belastbar bleibt. Insofern ist darauf zu achten, daß noch genügend gesunde äußere Reize auf unseren Körper treffen. Ein Problem kann hierbei bei einem zu weichen Schuh entstehen. Dieser dämpft externe Reize zu weit ab, so daß unser Stützapparat nach und nach seine interne Anpassungsfähigkeit verliert und somit nicht mehr belastbar ist - die Kollagendichte und Mineralisation des Knochens nimmt nachgewiesenermaßen ab, verliert dadurch seine Stabilität und wird verletzungsanfälliger.

 

Die logische Konseouenz, barfuß oder in einem zu harten Schuh zu laufen, damit noch genug äußere Stimuli auf unseren Körper treffen und er seine Strukturen entsprechend anpaßt und biopositiv verändert, ist aber übertrieben. Funktionelle Dämpfung ist generell nach wie vor wichtig, da jede/r Läufer/in seine/ihre individuelle Belastbarkeitsgrenze besitzt, die nicht überschritten werden sollte, um Verletzungen zu vermeiden. Die Lösung ist einfacher als erwartet - eine Ausgewogenheit, wie sie in ASICS - Sportschuhen seit jeher zur Anwendung kommt: Der ASICS - Schuh ist nicht zu weich - somit absorbiert er die äußeren Reize nicht so weit, daß unser Körper aufgrund von Stimulusdefiziten geschwächt wird, er ist auf der anderen Seite aber auch nicht zu hart, so daß die Belastbarkeitsgrenze des Biomaterials nicht überschritten und der menschliche Körper verletzt werden könnte.

 

Bei allen Hallensportarten nimmt die Dämpfung eine Sonderrolle ein. Zum einen landet der Sportler nach einem Sprung, z.B: zum Block beim Volleyball, Korbleger beim Basketball oder Überkopfschlag beim Tennis, fast ausschließlich auf dem Vorfuß - insofern wird ein anderer Bereich beansprucht als beim Laufen - , zum anderen treten mit 4- bis 8- fachen Körpergewichtskräften deutlich höhere Kraftwerte auf. Dämpfung im Vorfußbereich im Hallen- und Racketsportschuh ist demnach eine notwendige Voraussetzung, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Aber auch hier geht es nicht nur einfach darum, möglichst große Dämpfungssysteme unter dem Ballenbereich zu plazieren. Zum einen würde dies ein Mehr an Gewicht bedeuten, zum anderen ginge der von Hallensportlern so geforderte, direkte Bodenkontakt verloren. Bezüglich einer präventiven Funktion des Sportschuhs resultiert aber noch ein viel ernsteres Problem aus zu viel Dämpfung im Vorfußbereich:

 

Durch das zusätzliche Material unter dem Vorfuß entstehen ungünstige Hebel, die das Umknickrisiko drastisch erhöhen. Vergleichbar mit z.B. hohen Plateau- oder Stöckelschuhen vergrößert sich die Distanz zwischen Fuß und Boden und vor allem zwischen dem Sprunggelenk und dem Boden. Beim Aufkommen auf den Untergrund befindet sich der Fuß in einer supinierten Stellung, die durch eine Pronationsbewegung im USG bei Bodenkontakt kompensiert wird. Durch die Verschiebung der wirkenden Achsen bei zuviel Dämpfungsmaterial im Schuh kann es passieren, daß der supinierte Fuß beim Aufprall nach lateral umknickt, was unmittelbar zu einem Bänderriß führen kann.

 

Die konturierten Asics - Mittelsohlen, die sich wie eine Klammer schützend um den Fuß legen, und das äußerst flache P-GEL (4 mm), welches im Vorfußbereich benutzt wird, minimieren so wirkungsvoll das Umknickrisiko im Hallen- und Racketsport. Wie schon oft gezeigt, geht die ASICS - Forschung weit über das übliche Maß hinaus und sieht den wirklichen Sportler, seine Bewegungen und Anforderungen als das Maß aller Dinge, um funktionelle Sportschuhe zu bauen.

 

Nachdem der Fuß den Boden erreicht hat, beginnt er zu pronieren, d.h. er kippt nach innen. Diese Bewegung ist als physiologisch zu betrachten, da sie Vor- und Rückfuß anatomisch - funktionell voneinander entkoppelt, was zu einer erhöhten Flexibilität des Vorfußes führt, um einen optimalen Bodenkontakt in jeder Stellung des Unterschenkels zu gewährleisten. Auch auf unebenem Untergrund wird so Fußstabilität erzeugt. Desweiteren dient die Pronation als natürlicher Stoßdämpfer des Körpers, um die beschriebenen Stoßkräfte zu reduzieren: Die Pronation verändert die Rigidität des Körpers und führt zu einem längeren Zeitintervall, in dem die passive Kraftspitze auf den Körper wirkt. Somit dämpft eine natürliche Pronation externe Kräfte und wirkt als interner Schutzmechanismus des Körpers.

 

Probleme entstehen bei der exzessiven Ausführung der sogenannten Überpronation. Hierbei handelt es sich um eine unphysiologische Erweiterung der Pronationsbewegung. Die Eversion des Calcaneus (das Nachinnenkippen des Fußes ist mit einer Anhebung des Fußaußenrandes und des Fersenbeins verbunden) ist verstärkt. Hierdurch wird die Innenrotation des Unterschenkels soweit vergrößert, daß es zu einer erheblichen Mehrbelastung, insbesondere des Knies kommt. Exzessive Pronation wird daher als Ursache für Verletzungen der Hüfte, des Knies, der Achillessehne und des Fußes angesehen. Die Überpronation, die aufgrund von Fußfehlstellungen bei annähernd 80% der Läufer / innen zu beobachten ist, stellt somit einen Hauptfaktor zur Erklärung der hohen Verletzungshäufigkeit in der Läuferpopulation dar. Exzessive Pronation sollte auf jeden Fall durch einen festen, stabilisierenden Schuh kontrolliert werden.